IRONMAN-70.3-WM 2026 in Nizza: Jelle Geens, Kristian Blummenfelt, Taylor Knibb, Marjolaine Pierré, Audrey Merle und Co. Wer sind die Favoriten?
Am Samstag, 12., und Sonntag, 13. September, ist Nizza Gastgeber der IRONMAN-70.3-Weltmeisterschaften 2026. Am Samstag kämpfen rund 3000 Frauen um die Titel in der Elite und den Altersklassen, am Sonntag folgen 3500 Männer. Das Starterfeld ist hochkarätig besetzt, zumal der Wettkampf für viele als Sprungbrett zu den IRONMAN-Weltmeisterschaften vier Wochen später in Kailua-Kona auf Hawaii (USA) dient. Eine Analyse der Favoriten.
In diesem Jahr liegen die beiden IRONMAN- und IRONMAN-70.3-Weltmeisterschaften nur vier Wochen auseinander, außerdem wurde ihre Reihenfolge getauscht: Die 70.3-WM findet vor der IRONMAN-WM statt. Das ist ein Vorteil für die Triathletinnen und Triathleten, die bei beiden Rennen antreten wollen. Und davon wird es viele geben, denn der zeitliche Abstand ermöglicht einen gezielten Formaufbau und eine passendere Regeneration. Kein Wunder also, dass die angekündigten Startlisten reich an Athletinnen und Athleten sind, die Ende 2026 im Langdistanz-Triathlon um beide WM-Titel kämpfen können.
Wer kann Taylor Knibb bei den Frauen stoppen?
Der Verzicht der Titelverteidigerin, der Britin Lucy Charles-Barclay, hat ihren Konkurrentinnen einen großen Stolperstein aus dem Weg geräumt. Sie verzichtet auf Nizza, um sich ganz auf die Vorbereitung für Kona und die IRONMAN-WM zu konzentrieren, die ihr wichtigstes Saisonziel ist. Die Entscheidung hat auch eine historische Dimension: Seit 2011 hat keine Titelverteidigerin bei der IRONMAN-70.3-WM auf die Verteidigung ihrer Krone verzichtet. Charles-Barclay setzt also auf eine gezielte Vorbereitung statt auf eine möglichst große Zahl an Saisonhöhepunkten. Damit ist der Weg frei für eine neue Weltmeisterin.
Eine Athletin scheint für diese Rolle geradezu prädestiniert: die US-Amerikanerin Taylor Knibb. Sie gehört zu den vielseitigsten Athletinnen im internationalen Feld und hat bereits drei IRONMAN-70.3-WM-Titel gewonnen, 2022, 2023 und 2024. Seit 2021 stand sie außerdem bei jeder ihrer Teilnahmen an der 70.3-WM auf dem Podium. Anders gesagt: Wenn sie an der Startlinie steht, ist sie fast immer im Rennen um den Sieg.
Ihr Jahr 2026 verläuft allerdings etwas ungewöhnlicher. Knibb gewann den IRONMAN 70.3 Oceanside (USA) und wurde Zweite beim IRONMAN Texas (USA), startete aber weiterhin auch im World-Triathlon-Zirkus. Dazu zählen ihr Weltcupsieg in Edmonton (Kanada) und Rang sieben bei der WTCS in London (Großbritannien). Vor Kona, für das sie ebenfalls qualifiziert ist, wird sie außerdem mit dem US-Team bei der Rad-WM im Einzelzeitfahren in Montréal (Kanada) antreten. Genau diese Fähigkeit, zwischen verschiedenen Formaten und sogar zwischen verschiedenen Sportarten zu wechseln, macht sie so schwer zu schlagen. In Nizza peilt sie ihren vierten 70.3-WM-Titel an. Die französische Strecke könnte ihrem Profil als starker Radfahrerin perfekt entgegenkommen: Sie kann das Rennen auf dem Rad sprengen und trotzdem genügend Reserven für einen sehr schnellen Halbmarathon bewahren.
Die Britin Kat Matthews kennt das Erfolgsrezept für eine starke IRONMAN-70.3-WM bestens. 2023 und 2024 wurde sie jeweils Zweite hinter Knibb und hat damit bewiesen, dass sie abliefert, wenn der Druck steigt. Ihr Jahr 2026 ist mit Siegen beim IRONMAN New Zealand sowie bei den IRONMAN 70.3 in Geelong (Australien) und Elsinore (Dänemark) äußerst solide. Vor allem bringt sie die Kombination mit, die auf einem Kurs wie in Nizza gefragt ist: große Radstärke und die Fähigkeit, nach mehr als zwei Stunden Belastung auch beim Laufen ein hohes Tempo zu halten.
Eine weitere ernsthafte Kandidatin ist die Norwegerin Solveig Lövseth. Seit ihrem IRONMAN-WM-Titel im vergangenen Oktober in Kailua-Kona (USA) hat sie einen spektakulären Entwicklungsschritt gemacht. Im Frühjahr wurde sie Zweite beim IRONMAN 70.3 Oceanside (USA), anschließend gewann sie zwei IRONMAN-Rennen, in Texas (USA) und in Hamburg (Deutschland). Ihr Profil ist für die Bedingungen in Nizza besonders interessant. Solveig Lövseth ist nicht bloß Spezialistin in einer einzelnen Disziplin: Sie kann in allen drei Sportarten den Kontakt halten und wirkt seit ihrem WM-Titel nochmals reifer.
Auch mit der Deutschen Laura Philipp ist zu rechnen, schließlich betritt sie kein unbekanntes Terrain. 2024 gewann sie in Nizza die IRONMAN-WM und setzte sich mit einer beeindruckenden Vorstellung an die Spitze der internationalen Langdistanz. Vor wenigen Wochen siegte sie außerdem beim IRONMAN 70.3 Zell am See (Österreich). Ihr großes Ziel für 2026 bleibt jedoch die IRONMAN-WM in Kona. Das heißt selbstverständlich nicht, dass sie in Nizza nicht um den Sieg kämpfen wird.
Für das französische Publikum wird Marjolaine Pierré selbstverständlich besonders interessant sein. Die Französin kennt die Region gut und bringt einen Lebenslauf mit, der große Ambitionen erlaubt: Als zweifache Weltmeisterin über die Langdistanz nach World-Triathlon-Regeln gewann sie 2023 in Ibiza (Spanien) und 2025 in Pontevedra (Spanien). Im vergangenen Jahr wurde sie außerdem Fünfte bei der IRONMAN-70.3-WM in Marbella (Spanien). 2026 siegte Marjolaine Pierré beim IRONMAN 70.3 Pays d'Aix und wurde wenige Wochen später bei der IRONMAN-70.3-Europameisterschaft im schwedischen Jönköping Zweite hinter der Deutschen Bianca Bogen, bevor sie ins Höhentrainingslager nach Font Romeu reiste. Ihre Vorbereitung war damit klar auf diesen großen Termin ausgerichtet.
Hinter diesem Quintett liest sich die Liste der Außenseiterinnen beinahe wie eine weitere Favoritenliste. Die Deutsche Bianca Bogen, amtierende IRONMAN-70.3-Europameisterin, befindet sich ebenfalls in starker Entwicklung. Zu Beginn des Jahres wurde sie Fünfte beim T100 Gold Coast (Australien), Sechste beim T100 Vancouver (Kanada) und gewann bereits den 70.3 in Hradec Králové (Tschechien). Damit bringt sie inzwischen genügend Referenzen für einen Platz auf dem WM-Podium mit.
Im Blick behalten sollte man außerdem die Schweizerinnen Julie Derron, die zuletzt den T100 Vancouver gewann, sowie Imogen Simmonds, Fünfte in Vancouver und Dritte bei der IRONMAN-70.3-WM 2023 im finnischen Lahti.
Und die anderen Französinnen?
Mehrere Französinnen verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit. Audrey Merle, frühere U23-Weltmeisterin und Olympiateilnehmerin von Rio 2016, wurde in diesem Jahr Dritte beim IRONMAN 70.3 Oceanside (USA) und Vierte in Elsinore (Dänemark). Ihre Auftritte im T100-Zirkus, darunter Rang acht in Pamplona (Spanien) und Rang zwölf in Vancouver (Kanada), zeigen, dass sie sich gegen die besten Athletinnen der Welt behaupten kann und sich gut an den Langdistanz-Triathlon angepasst hat.
Aurélia Boulanger bringt einen ungewöhnlicheren Weg mit. Nach einer sehr schwierigen Phase zwischen 2024 und Mitte 2025, in der sie an Depressionen litt, hat die Athletin aus dem Département Gard zu alter Leistungsstärke zurückgefunden. Im Juni gewann sie den IRONMAN 70.3 Mont-Tremblant (Kanada) und löste damit ihr Ticket für Nizza. Anfang August wurde sie beim IRONMAN 70.3 Krakau in Polen Dritte.
Auch Anne-Sophie Pierre, im Juli Zweite beim IRONMAN 70.3 Swansea (Wales), wird an der Startlinie stehen. Ihre Geschichte verdient besondere Beachtung: Sie begann 2020 mit dem Triathlon, bevor sie 2021 bei einem schweren Radsturz mehrere Wirbelbrüche erlitt und fast anderthalb Jahre lang nicht an ihr früheres Leistungsniveau herankam.
Schließlich versucht Nikita Paskiewiez ein besonders ambitioniertes Doppel: Nizza und Kona. Sie ist für beide Rennen qualifiziert, allerdings bleibt wegen einer Achillessehnenverletzung eine Frage offen. Bei ihrem 15e Platz beim IRONMAN 70.3 Zell am See (Österreich) vor wenigen Wochen hatte sie immerhin keine Schmerzen mehr.
Julie Iemmolo wird nach ihrer Anfang Juli erlittenen Kahnbeinverletzung ebenfalls starten, vor allem aber den Moment genießen. Ihre Vorbereitung war zwangsläufig beeinträchtigt.
Bei den Männern: Jelle Geens gegen die norwegische Meute
Bei den Männern werden rund 3500 Athleten an den Start gehen. Im Profirennen könnte es erneut auf ein Duell zwischen Belgien und Norwegen hinauslaufen.
Der erste Name, der einem in den Sinn kommt, ist der des Titelverteidigers: der Belgier Jelle Geens. Er hat die beiden letzten Austragungen der IRONMAN-70.3-WM gewonnen. In Marbella (Spanien) setzte er sich im vergangenen November nach 113 Kilometern mit gerade einmal drei Sekunden Vorsprung gegen den Norweger Kristian Blummenfelt durch. Wenige Monate später trafen die beiden beim IRONMAN 70.3 Geelong in Australien erneut aufeinander, wo der Norweger Revanche nahm.
Kristian Blummenfelt bleibt damit einer der großen Favoriten. Olympiasieger von Tokio (Japan), IRONMAN-Weltmeister 2021 und IRONMAN-70.3-Weltmeister 2022: Seine Erfolgsbilanz gehört wahrscheinlich zu den beeindruckendsten im Feld. In diesem Jahr gewann er den IRONMAN 70.3 Oceanside (USA) und den IRONMAN Texas (USA).
Norwegen auf Blummenfelt zu reduzieren, wäre allerdings ein Fehler. Casper Stornes, amtierender IRONMAN-Weltmeister, wurde bei der IRONMAN-70.3-WM in Marbella (Spanien) hinter Geens und Blummenfelt Dritter. Seither unterstrich er seine Konstanz mit zwei dritten Plätzen beim IRONMAN 70.3 Oceanside (USA) und beim IRONMAN Texas (USA), bevor er den IRONMAN Frankfurt (Deutschland), der zugleich als Europameisterschaft über die Langdistanz ausgetragen wurde, souverän gewann.
An seiner Seite wird sein Landsmann Gustav Iden an einen besonders symbolträchtigen Ort zurückkehren: 2019 gewann er in Nizza seinen ersten IRONMAN-70.3-WM-Titel. In diesem Jahr wurde er Zweiter beim IRONMAN Frankfurt und bleibt selbstverständlich ein Kandidat für das Podium.
Können die Deutschen dieses Duell verhindern?
Mehrere Deutsche werden versuchen, sich zwischen die Favoriten zu schieben. Rico Bogen verfügt dabei über eine Waffe, die nur wenige andere vorweisen können: Er weiß bereits, wie es sich anfühlt, IRONMAN-70.3-Weltmeister zu werden. Der Deutsche holte den Titel 2023.
Auch Lasse Nygaard Priester sollte man im Auge behalten. Er liefert eine außergewöhnlich konstante Saison ab: fünf Podiumsplätze in fünf Rennen, darunter Siege bei den IRONMAN 70.3 in Schweden und Zell am See-Kaprun (Österreich), ein zweiter Platz beim IRONMAN 70.3 Valencia (Spanien) und Rang drei beim IRONMAN 70.3 Pays d'Aix (Frankreich). Hinzu kommt Platz zwei beim T100 in San Francisco (USA). Jonas Schomburg komplettiert dieses besonders starke und konkurrenzfähige deutsche Trio.
Und die Olympioniken?
Das Feld bietet außerdem eine beeindruckende Ansammlung von Olympiamedaillengewinnern und Olympiateilnehmern. Der Neuseeländer Hayden Wilde, Olympiazweiter von Paris 2024, gehört zu den Athleten, die alle Prognosen auf den Kopf stellen können. Gleiches gilt für die US-Amerikaner Morgan Pearson und Seth Rider sowie den Briten Sam Dickinson. Und ganz besonders für den Belgier Marten Van Riel. Sein Einstieg über die IRONMAN-70.3-Distanz war furios: Seit 2019 ist er über diese Strecke ungeschlagen. 2026 gewann er unter anderem den IRONMAN Lake Placid (USA) und den IRONMAN 70.3 Elsinore (Dänemark), außerdem wurde er Zweiter beim IRONMAN Texas (USA). In Nizza wird Van Riel damit deutlich mehr sein als ein Außenseiter.
Die Franzosen ohne Sam Laidlow und Vincent Luis
Auf französischer Seite konzentriert sich Sam Laidlow, IRONMAN-Weltmeister von 2023, lieber auf die Vorbereitung für die IRONMAN-WM in Kona. Am selben Sonntag startet er beim Challenge Samarkand (Usbekistan), wo ihn eine flachere Radstrecke erwartet, die der in Kona stärker ähnelt.
Die französischen Fans hatten deshalb auf Vincent Luis gehofft, der seine letzte Saison bestreitet. Im vergangenen Juli verpasste er als Vierter beim IRONMAN 70.3 Boise (USA) knapp das Podium, nachdem er sich Ende 2025 als Sieger des IRONMAN 70.3 Bahrain für die IRONMAN-70.3-WM in Nizza qualifiziert hatte. Leider wird die französische Ikone nicht in Nizza starten und ihre Fans direkt in Kona zu ihrem letzten Tanz bei der IRONMAN-WM treffen. Zu Saisonbeginn wurde er Vierter beim IRONMAN Texas (USA) und anschließend Fünfter bei der IRONMAN-Europameisterschaft in Frankfurt (Deutschland).
In Abwesenheit dieser natürlichen Anführer können mehrere Franzosen einen Platz unter den Top 15 anpeilen. Simon Viain zeigt 2026 eine bemerkenswerte Konstanz: Dritter beim IRONMAN 70.3 Elsinore (Dänemark), Vierter beim IRONMAN 70.3 Swansea (Wales), Sechster beim IRONMAN 70.3 Zell am See (Österreich) und Vierter beim IRONMAN 70.3 Valencia (Spanien). Ein Platz in den Top 10 oder sogar noch weiter vorne scheint für ihn erreichbar.
Quentin Barreau, 2025 als Zwölfter bester Franzose bei der IRONMAN-70.3-WM in Nizza, kehrt mit zusätzlicher Erfahrung zurück. 2025 gewann er einen IRONMAN 70.3 in Ecuador, 2026 wurde er unter anderem Elfter beim Challenge Šamorín und startete beim IRONMAN Frankfurt. Ein Höhentrainingslager in Font-Romeu im August soll ihm ermöglichen, mit optimal gefüllten Reserven an den Start zu gehen.
Auch Nathan Guerbeur hat sich doppelt für Nizza und Kona qualifiziert. Der frühere Duathlon-Spezialist wechselte 2024 als Profi in Vollzeit zum Langdistanz-Triathlon und wurde 2026 unter anderem Achter beim IRONMAN Frankfurt sowie Fünfter beim IRONMAN 70.3 Pays d'Aix.
Ebenfalls im Auge behalten sollte man den Kämpfer Casimir Moine. Er legte 2025 eine spektakuläre Saison mit drei Podiumsplätzen in vier Rennen hin, darunter Siege beim IRONMAN 70.3 Tours (Frankreich) und beim IRONMAN 70.3 Peru. 2026 wurde er außerdem Zweiter beim IRONMAN 70.3 Punta del Este (Uruguay) und Fünfter in Vitoria-Gasteiz (Spanien).
Valentin Rouvier, französischer Meister im ... Canicross 2025, wurde Neunter beim IRONMAN 70.3 Kraichgau (Deutschland) und Achter beim Embrunman 2026.
Félix Forissier, dreifacher Cross-Triathlon-Weltmeister und XTERRA-Weltmeister 2025, bestreitet in Nizza seinen ersten internationalen Wettkampf auf einem Rennrad. Damit komplettiert er ein französisches Aufgebot mit ganz unterschiedlichen und ambitionierten Profilen.