Die erste Ausgabe des Ascend XTRi hielt, was sie versprach

LB
Von Luc Beurnaux

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Die erste Ausgabe des Ascend XTRi hielt, was sie versprach
© Thomas Galliche/Ascend XTRI

Am 25. Juli um 3 Uhr morgens gingen 270 Triathletinnen und Triathleten am Lac de Lourdes an den Start der ersten Ausgabe des Extremtriathlons ASCEND XTRI, der bislang unter dem Namen Triathlon des Pyrénées bekannt war. Auf dem Programm standen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren über fünf Pyrenäenpässe und anschließend ein Lauf hinauf zum Pic du Midi. Doch an diesem Tag beschloss auch der Berg, am Rennen teilzunehmen. Nebel, Regen, Kälte, Hagel und Gewitter stellten den ursprünglichen Rennplan auf den Kopf und machten die Premiere zu einer echten Prüfung in Sachen Anpassungsfähigkeit und Durchhaltevermögen.

3 Uhr morgens in Lourdes. Noch ist es dunkel, als die ersten Athleten ins Wasser des Sees steigen. 270 Triathletinnen und Triathleten machen sich auf die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke in einer ganz besonderen Atmosphäre. In der Dunkelheit zeichnen die Lichter der Schwimmer und der Sicherheitscrews nach und nach die Strecke auf dem See nach.

So beginnt der ASCEND-Triathlon, fernab vom üblichen Trubel eines Triathlonstarts, in der Stille der Pyrenäennacht. Nach dem Schwimmen geht es für die Athleten in die Wechselzone. Einer nach dem anderen verlässt Lourdes im Schein der Fahrradlichter. Der Tag hat gerade erst begonnen. 180 Kilometer und fünf Pyrenäenpässe mit 5100 Höhenmetern warten auf die Pioniere dieses Rennens. Und zum Abschluss ein Maratrail über 42 Kilometer mit 2740 Höhenmetern …

 Fünf legendäre Pässe auf der Radstrecke

Die Radstrecke ist eines der Markenzeichen von ASCEND. Auf 180 Kilometern durchqueren die Teilnehmer die Pyrenäen und reihen fünf große Anstiege aneinander: Balès, Peyresourde, Val Louron-Azet und Aspin. Eine Strecke, die sie schnell dazu zwingt, die Gewohnheiten eines klassischen Langdistanztriathlons hinter sich zu lassen.

Kraft, Ernährung und Ausrüstung einteilen, lange Anstiege und Abfahrten bewältigen, mit den wechselnden Temperaturen umgehen und vor allem im Blick behalten, was nach dem Radfahren noch in den Beinen steckt. Mit jedem Kilometer zieht sich das Feld weiter auseinander. Ein Tal reiht sich an das nächste. Die Teilnehmer sind zunehmend auf sich allein gestellt.

Allmählich nimmt ein weiterer Faktor einen immer größeren Platz im Renntag ein: das Wetter. Die Pyrenäen können ihr Gesicht sehr schnell verändern. ASCEND 2026 lieferte dafür ein besonders eindrückliches Beispiel. In einigen Abschnitten zieht Nebel auf. Dann setzt Regen ein. Schließlich kommt die Kälte. An manchen Stellen begleitet auch Hagel die Teilnehmer, während sich über dem Gebirge Gewitter bilden. Die Bedingungen machen die Radstrecke deutlich härter als erwartet.

 Neben Höhenmetern und Kilometern gilt es nun auch, den Körper vor dem Auskühlen zu schützen, in den Abfahrten einen klaren Kopf zu bewahren und trotz der Müdigkeit weiter Energie zuzuführen. Die Stunden vergehen, die körperliche Belastung nimmt zu. Als die ersten Teilnehmer schließlich die zweite Wechselzone in Payolle erreichen, erzählen manche Gesichter bereits von der Intensität dieses Tages.

Erste Aufgaben am Ende der Radstrecke

Nach 3,8 Kilometern Schwimmen und 180 Kilometern auf dem Rad durch die Pyrenäen bedeutet das Abstellen des Fahrrads in Payolle nicht einfach nur den Wechsel der Disziplin. Für viele ist es der Moment, in dem sie entscheiden müssen, ob ihr Körper noch in der Lage ist, weiterzumachen. Einige Teilnehmer kommen völlig durchgefroren an. Andere sind nach Stunden im Regen und in der Kälte erschöpft. Einige geben hier auf.

Nicht, weil die Motivation verschwunden wäre, sondern weil ihr Körper ihnen schlicht nicht mehr erlaubt, unter guten Bedingungen weiterzumachen. Hier zeigt ASCEND eine seiner besonderen Seiten. Bei einem solchen Rennen ist es wichtig, weiterzumachen. Genauso wichtig kann es sein, aufzuhören. Für diejenigen, die Payolle wieder verlassen, beginnt ein neues Rennen. Doch weiter oben im Gebirge verschärft sich die Lage noch einmal.

Der Pic du Midi bleibt unerreichbar

Das Konzept von ASCEND wurde rund um ein Wahrzeichen aufgebaut: den Pic du Midi auf 2876 Metern. Nach dem Schwimmen und der Durchquerung der Pyrenäen auf dem Rad sollte die Laufstrecke die Athleten zum Gebirgsmassiv führen und denjenigen, die die Zugangsvoraussetzungen erfüllten, den Aufstieg zum Pic ermöglichen. Doch im Gebirge unterliegt eine Strecke immer einer übergeordneten Regel: den Bedingungen des Tages. Die Gewitter in der Höhe machten den Aufstieg zum Pic du Midi schließlich unmöglich.

Die Entscheidung fällt, die Teilnehmer nicht auf diesen Streckenabschnitt zu schicken. Die Sicherheit steht über dem sportlichen Szenario. Die Organisation muss die Laufstrecke daraufhin anpassen. Für eine Premiere ist das eine schwierige Entscheidung, schließlich sollte der Pic du Midi symbolisch den Höhepunkt von ASCEND bilden. Doch angesichts der Gewittergefahr in der Höhe gibt es keinen vernünftigen Kompromiss. Der Gipfel muss warten.

Pacemaker begleiten die Läufer auf den letzten Kilometern

Die schließlich angebotene Laufstrecke ist weniger anspruchsvoll als ursprünglich geplant. Trotzdem wäre es falsch, daraus zu schließen, dass der Zieleinlauf einfach geworden wäre. Die Schwierigkeit hat sich lediglich verlagert. Sie liegt nicht mehr ausschließlich in den Höhenmetern oder den noch zu laufenden Kilometern. Sie steckt in der angesammelten Kälte, der Erschöpfung und der Fähigkeit, weiter voranzukommen. Die Zeitabstände werden nun beinahe nebensächlich. Einige laufen noch. Andere wechseln zwischen Laufen und Gehen.

© Sébastien Saint Cricq/Ascend Xtri

Die „Support Runner“ gewinnen in dieser Phase des Rennens ebenfalls enorm an Bedeutung. Sie begleiten die Läufer, geben ihnen Sicherheit, reichen Verpflegung und finden manchmal einfach die richtigen Worte, damit noch ein paar weitere Kilometer möglich sind. ASCEND wird damit genau zu dem, was ein solches Rennen Besonderes hervorbringen kann: ein gemeinsames Abenteuer, das oft mit großer Emotion endet. Das gilt insbesondere für die ersten Sieger des Events, den Kanadier Samuel Cote in 10:50:42 und die Österreicherin Lisa Wiestner in 13:19:16, aber ebenso für die 237 Finisher, die die Ziellinie erreichten.

Mehr als 150 Helfer im Einsatz

Hinter dieser Premiere stand außerdem ein gewaltiger personeller Einsatz. 270 Athleten, ihre Familien und Supportcrews, mehr als 150 Helfer, die medizinischen Teams und Sicherheitskräfte, die durchquerten Gemeinden, die beteiligten Dienste und alle, die das Projekt begleitet haben, machten ASCEND erst möglich. Ein Rennen dieser Größenordnung lässt sich niemals auf einen GPS-Track reduzieren.

Es existiert dank all der Menschen, die vor Ort im Einsatz sind, oft über viele Stunden und bei denselben Wetterbedingungen wie die Teilnehmer. Diese erste Ausgabe hat außerdem sehr konkret gezeigt, an welchen Punkten ASCEND noch wachsen muss. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2026 bilden nun eine wertvolle Arbeitsgrundlage. Das Ziel ist nicht, diese Premiere exakt zu wiederholen. Die Ausgabe 2027 verspricht noch spektakulärer zu werden.

ASCEND kehrt am 24. und 25. Juli 2027 zwischen Lourdes und La Mongie in die Pyrenäen zurück.