Fahrradhelm mit MIPS: Wie die gelbe Schicht bei einem Sturz Ihr Gehirn schützt
Wir haben uns das MIPS-Schutzsystem im GIRO Agilis genauer angesehen. Ein „normaler“ Helm schützt den Schädel vor Brüchen und Verletzungen, MIPS dagegen soll vor allem das Gehirn schützen. Zum Start in die Saison der nassen, rutschigen Straßen, auf denen Stürze häufiger werden, erklären wir, wie das funktioniert.
Der gelbe MIPS-Punkt ist heute so bekannt wie das Vibram-Oktagon auf Trailschuhsohlen oder die schwarz-goldene Raute von Gore-Tex auf den wasserdichtesten Windjacken. Man erkennt ihn auf den ersten Blick, und er steht für maximale Sicherheit des Radfahrerkopfs bei einem Sturz. Über 150 Radhelmmarken setzen inzwischen auf diese Technologie, dazu fast alle Profiteams im Straßenradsport.
Eine innere Schicht, die die Bewegung des Gehirns mitmacht und das Risiko einer Gehirnerschütterung senkt
Fahrradhelme mit MIPS (Multi-Directional Protection System) haben zwischen Kopf und äußerer Helmschale eine zusätzliche Schicht, die sich unabhängig von der Schale bewegen kann.
Schale und Innenschicht sind über weiche Elastomer-Halterungen verbunden. Bei einem Aufprall gleitet die Schale über die MIPS-Schicht. So gelangen weniger Kräfte an den Schädel, und das Risiko einer Gehirnerschütterung sinkt.
MIPS-Helme wirken auch bei senkrechten Stößen, ihren eigentlichen Nutzen spielen sie aber bei schrägen Aufprällen aus, die bei Radstürzen am häufigsten vorkommen. Selten schlägt der Kopf direkt auf die Stirn, die Seite oder den Hinterkopf auf. Meist trifft er schräg auf und wird dabei abrupt in Rotation versetzt.
Dreht sich der Kopf heftig, können sich die Hirngewebe verformen oder dehnen. Es entstehen Mikroverletzungen, die schwer zu diagnostizieren sind, aber lange nachwirken können. Genau hier setzt MIPS an.
Das Konzept ist der Natur abgeschaut: Das Gehirn schwimmt im Schädel in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Ein Teil der Aufprallenergie geht nicht direkt ans Gehirn, sondern wird durch die Zwischenschicht in einer kontrollierten Bewegung von wenigen Millimetern abgebaut. Das verringert die Rotationskräfte und damit das Risiko schwerer Hirnverletzungen.
Tragekomfort und Belüftung bleiben mit MIPS unverändert
Dass wir die Schutzwirkung im Test nicht am eigenen Kopf überprüft haben, versteht sich von selbst. Die zahllosen Crashtests des Herstellers belegen sie aber überzeugend.
Testen konnten wir dagegen, was die MIPS-Membran an Passform und Leistung des Helms verändert, sobald man ihn auf dem Kopf hat.
Beim getesteten GIRO Agilis, einem Modell der mittleren Preisklasse, fanden wir den Komfort gegenüber einem Standardhelm unverändert.
Der Helm sitzt bequem und sicher dank des Verstellsystems Roc Loc 5 Mips. Damit lassen sich Weite und Neigung des Helms in wenigen Sekunden mit einer Hand anpassen. Zudem ist er leichter als konkurrierende Systeme, was ihn zum Maßstab in Sachen Schutztechnologie macht.
Die MIPS-Innenschicht beeinträchtigt die Belüftung nicht, anders als bei den ersten Modellen mit dieser Technologie. Der GIRO setzt auf das Belüftungskonzept „Wind Tunnel“: aktive Öffnungen in der Helmschale und Abluftkanäle im Inneren leiten frische Luft über und um den Kopf und befördern Wärme und verbrauchte Luft nach draußen.
Nur das Gewicht des Helms steigt geringfügig: Die MIPS-Schicht wiegt nur wenige Gramm, doch für anspruchsvolle Fahrer auf der Suche nach dem leichtestmöglichen Helm, vor allem im Wettkampf, kann das den Unterschied machen.
Auch beim Preis macht sich das Schutzsystem bemerkbar. Das ist der Preis für maximalen Schutz.
Getestetes Modell
Giro Agilis MIPS
Gewicht: 180 g in Größe M
Preis: 109,95 Euro