WTCS Karlovy Vary 2026: Comebacksiege für Dorian Coninx und Georgia Taylor-Brown
Dorian Coninx aus Frankreich und die Britin Georgia Taylor-Brown haben am Sonntag in Tschechien den WTCS-Lauf in Karlovy Vary gewonnen. Für beide Olympiateilnehmer war es ein starkes Comeback.
Dorian Coninx feierte am Sonntagnachmittag in Tschechien seine Rückkehr an die Weltspitze. Der französische Triathlet setzte sich auf dem Rad in einer entscheidenden Ausreißergruppe ab und hielt beim abschließenden 10-km-Lauf den heranstürmenden Alex Yee auf Distanz. Damit sicherte er sich Gold vor dem britischen Olympiasieger. Tjebbe Kaindl holte Bronze und bescherte Österreich den ersten WTCS-Podestplatz der Geschichte.
Als die Männer am Rolava-See ins Wasser gingen, fiel noch immer Regen. Auf dem Programm stand das olympische Format mit zwei Schwimmrunden.
Schon an der ersten Boje setzten sich der Portugiese Miguel Tiago Silva und der US-Amerikaner Chase McQueen an die Spitze. Athleten wie der Brite Alex Yee und der Brasilianer Miguel Hidalgo mit der Startnummer 1 verloren dagegen bereits Boden.
Zur Hälfte der Schwimmstrecke führte McQueen. Der Franzose Jules Rethoret und der Ungar Mark Devay lagen ebenfalls gut, Hidalgo hatte zehn Sekunden Rückstand. Alex Yee und Tjebbe Kaindl waren zu diesem Zeitpunkt bereits knapp 30 Sekunden zurück.
Der Italiener Alessio Crociani stieg als Erster aus dem Wasser, gemeinsam mit dem Franzosen Dorian Coninx und dem Norweger Vetle Thorn. Coninx schwang sich als Erster aufs Rad, dicht gefolgt vom Briten Connor Bentley. Der Franzose Léo Bergère und der Ungar Csongor Lehmann folgten mit 25 Sekunden Rückstand.
Anspruchsvolle Radstrecke begünstigt Ausreißversuche
Dorian Coninx und sein Teamkollege Leo Bergere, entschlossen, auf Wiedergutmachung aus und nach Verletzungen mit großen Ambitionen zurück, setzten sich auf den 40 Radkilometern in der zweiten von sieben Runden zunächst vom Führungsfeld ab. Mark Devay aus Ungarn und später der Österreicher Tjebbe Kaindl schlossen zur Spitze auf. Das Quartett setzte sich auf der welligen Strecke mit einer bis zu 20 Prozent steilen Passage deutlich vom Rest des Feldes ab. Der Regen machte den Kurs zusätzlich gefährlich und führte zu zahlreichen Stürzen.
Kaindl konnte sich in der letzten Radrunde absetzen und behauptete seinen Vorsprung über die ersten 2500 Meter des Laufs. Dann übernahm Dorian Coninx die Führung, während Alex Yee in einer kleinen, schnell laufenden Gruppe viel Boden gutmachte. Der Olympiasieger holte bereits in der ersten von vier Laufrunden 40 der 2:10 Minuten Rückstand auf, die er zu Beginn des abschließenden Laufs hatte.
Alex Yee läuft die 10 Kilometer in 29:16 Minuten
Diese Tempoverschärfung sollte Yee im Schlussabschnitt vermutlich teuer zu stehen kommen. Coninx dosierte sein Tempo an der Spitze immer besser und hielt bis ins Ziel durch. Damit gewann er nach dem WTCS in Quiberon seine zweite Goldmedaille der Saison und machte in der Weltrangliste einen gewaltigen Sprung auf Platz vier. Nächste Woche steht das große Finale im spanischen Pontevedra an.
Alex Yee überholte Kaindl schließlich und sicherte sich Platz zwei. Für den Briten war es der erste Podestplatz seit 2024. Mit starken 29:16 Minuten über 10 Kilometer setzte er seine Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles eindrucksvoll fort.
Kaindl schrieb derweil österreichische Triathlongeschichte. Seine Bronzemedaille krönte einen außergewöhnlich couragierten Wettkampf.
Die Franzosen Yanis Seguin, Léo Bergère und Jules Rethoret belegten die Plätze neun, 23 und 24.
Top 5 Männer
1 Dorian Coninx (Frankreich) 1:50:50
2 Alex Yee (Großbritannien) 1:51:00
3 Tjebbe Kaindl (Österreich) 1:51:07
4 Ricardo Batista (Portugal) 1:51:18
5 Tim Hellwig (Deutschland) 1:51:47
Georgia Taylor-Brown beendet dreijährige WTCS-Durststrecke
Drei lange Jahre waren vergangen, seit die Britin Georgia Taylor-Brown zuletzt auf einem WTCS-Podium gestanden hatte. Unter besonders schwierigen Bedingungen zeigte die Olympiazweite von Tokio 2021 in Karlovy Vary erneut ihr ganzes Können und feierte den siebten WTCS-Sieg ihrer Karriere. An einem kalten und verregneten Tag, an dem mehr als ein Viertel des Feldes das Rennen nicht beendete, war Taylor-Brown in allen drei Disziplinen schlicht herausragend.
Ich bin ziemlich überwältigt. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich es noch einmal schaffen kann. Ich hatte mich irgendwie damit abgefunden, einfach mit den Frauen vorne mitzuhalten und einen Platz in den Top sechs anzustreben. Deshalb bin ich wirklich glücklich, dass ich heute gewinnen konnte.
Die Siegerin des Vorjahres, ihre Landsfrau Beth Potter, übernahm bereits in der ersten Schwimmrunde die Führung. Dahinter folgten die deutsche Weltmeisterin Lisa Tertsch, die US-Amerikanerin Taylor Spivey und die Italienerin Bianca Seregni, die damit von Beginn an ihre Ambitionen unterstrich.
Potter und Tertsch benötigten ein starkes Ergebnis, um in der Gesamtwertung weiter auf die französische Olympiasiegerin Cassandre Beaugrand aufschließen zu können. Nur ein Sieg hätte ihre Titelchancen am Leben gehalten.
Seregni übernahm in der zweiten Schwimmrunde die Führung. Potter, Tertsch und Spivey lagen beim Ausstieg zur ersten Wechselzone direkt an ihren Füßen.
Drei Ausreißerinnen auf dem Rad
Auf dem Weg ins Stadtzentrum formierte sich eine 16-köpfige Radgruppe. Dort warteten die berühmten Anstiege und Kopfsteinpflasterpassagen von Karlovy Vary. Diese Verbindung verlief allerdings nicht ohne Zwischenfälle: Mehrere Athletinnen stürzten auf der durch den Regen rutschigen Fahrbahn.
Kaum im Stadtzentrum angekommen, sprengten Spivey und Taylor-Brown die Führungsgruppe am ersten Anstieg. Aus 16 Athletinnen wurden neun. Bei den beiden vorherigen Frauenrennen in Karlovy Vary hatte es jeweils Zweierausreißerinnen gegeben. Diesmal waren es drei.
Neben der äußerst offensiv fahrenden Spivey und der unerschütterlichen Taylor-Brown schloss sich die Österreicherin Therese Feuersinger der Ausreißergruppe an und setzte die übrigen Favoritinnen unter Druck. Spivey hatte 2025 bereits einen ähnlichen Versuch gestartet, war damals aber von Potter um Gold gebracht worden. Diesmal war klar, dass sie der Britin keine Rückkehr ins Rennen ermöglichen wollte.
Potter, Tertsch, die Luxemburgerin Jeanne Lehair, die Ungarin Márta Kropkó, die Spanierin Marta Pintanel Raymundo und die Lokalmatadorin Dana Prikrylova gaben alles, um den Rückstand zu begrenzen. Am Ende der Radstrecke betrug der Abstand zwischen den beiden Gruppen jedoch mehr als 2:30 Minuten. Für Potter und Tertsch war das im Kampf um die Gesamtwertung ein schwerer Schlag. Beiden blieb nur noch die Hoffnung auf Bronze. Für Potter verschärfte sich die Situation durch einen langsamen Wechsel vom Rad zum Laufen, bei dem sie den Anschluss an ihre Rivalinnen verlor.
Die erfahrenen Taylor-Brown und Spivey machen Druck
An der Spitze nahm Spivey den Lauf als Erste in Angriff. Taylor-Brown lag jedoch nur wenige Sekunden zurück und übernahm schon bald die Führung. Nachdem sie in diesem Jahr in Spanien ihren ersten Sieg im T100 Triathlon gefeiert hatte, fand Taylor-Brown auch beim Laufen zu ihrem Killerinstinkt zurück und erhöhte den Druck auf Spivey Schritt für Schritt. Die US-Amerikanerin kämpfte darum, den Kontakt zu halten, doch die Kräfteverhältnisse hatten sich inzwischen eindeutig verschoben.
Dahinter setzte sich Tertsch ab und schien die einzige Athletin zu sein, die Feuersinger noch die Bronzemedaille streitig machen konnte. Dann tauchte plötzlich Lehair neben ihr auf. Eine halbe Runde vor dem Ziel war Feuersingers Vorsprung fast zur Hälfte geschmolzen, während Tertsch und Lehair aufschlossen und sich gegenseitig belauerten. Tertsch zog erneut an, schüttelte zunächst Lehair ab, holte anschließend Feuersinger ein und sicherte sich endgültig Platz drei.
Damit waren die Medaillen vergeben und Taylor-Browns Sieg nicht mehr gefährdet. Bereits 2020 hatte sie beim Weltcup in Karlovy Vary hinter der großen Triathletin von den Bermudas, Flora Duffy, Silber gewonnen. Nun feierte Taylor-Brown ihr erstes Podium auf der Rennserie seit zwei Jahren und ihren ersten Sieg seit Cagliari im Mai 2023. Vor allem aber erinnerte ihre Leistung daran, warum sie zeitweise als einzige echte Rivalin galt, die Duffys Dominanz gefährden konnte.
Spivey kam 36 Sekunden hinter ihr ins Ziel, Tertsch wurde Dritte. Wie Spiveys Silber war auch Tertschs Bronze eine Wiederholung ihres Ergebnisses von 2025. Lehair belegte wie im Vorjahr Rang vier. Dahinter feierte Feuersinger mit Platz fünf das beste Ergebnis ihrer Karriere.
Keine Französin war bei diesem Rennen am Start.
Top 5 Frauen
1 Georgia Taylor-Brown (Großbritannien) 2:03:05
2 Taylor Spivey (USA) 2:03:41
3 Lisa Tertsch (Deutschland) 2:04:33
4 Jeanne Lehair (Luxemburg) 2:05:06
5 Therese Feuersinger (Österreich) 2:05:21